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Westtour im Geländewagen: was acht Stunden Madeira wirklich bedeuten

Aktualisiert 9. September 2026 · 5 Min. Lesezeit

Kleiner Leuchtturm auf einem Felsen vor der zerklüfteten Küste von Porto Moniz, Atlantikwellen brechen am schwarzen Vulkangestein

Über 9.500 Bewertungen entfallen auf eine einzige Landtour: die Westrunde über Cabo Girão, Porto Moniz, Seixal und Fanal im Geländewagen, 69 € für 8 Stunden, 4,9 Sterne. Nur eine Katamaranfahrt zur Walbeobachtung wird auf Madeira häufiger gebucht. Was die Zahlen nicht sagen: wie der Tag wirklich abläuft.

Acht Stunden – und wohin sie gehen

Die ehrlichste Auskunft zuerst: Ungefähr die Hälfte des Tages sitzen Sie im Fahrzeug. Das ist kein Mangel der Tour, das ist Madeira.

Von Funchal nach Porto Moniz sind es rund 50 Straßenkilometer, über die Tunnel-Schnellstraße gut eine Stunde. Nur fährt eine Westtour die nicht, sonst sähe man nichts: Sie nimmt Passstraßen über die Hochebene Paúl da Serra, Serpentinen, alte Küstenabschnitte – anderthalb Stunden und mehr, nachmittags dasselbe zurück.

Dazu der Anfang, mit dem kaum jemand rechnet: Bei Hotelabholung dreht der Wagen erst eine Runde durch die Hotelzone – zwischen erster und letzter Abholung liegen leicht 30 bis 45 Minuten, in denen die Tour zwar läuft, aber nichts passiert.

Für die Stopps bleiben realistisch vier Stunden:

  • Cabo Girão Skywalk: 20 bis 30 Minuten
  • Porto Moniz: der längste Halt, eine bis anderthalb Stunden, meist mit Mittagspause
  • Seixal: 30 bis 45 Minuten
  • Fanal: eine halbe bis dreiviertel Stunde
  • Aussichtspunkte: je 10 bis 15 Minuten

Der Charakter des Tages: viel sehen, wenig verweilen.

Warum 33 € und warum 69 €

In der Kategorie Jeep- und 4x4-Touren stehen 85 Angebote ab 33 €, Median 69 €. Dazwischen liegen ungefähr dieselben Ziele – und zwei verschiedene Tage.

Unten steht der Minibus mit 20 bis 30 Gästen: fester Ablauf, große Gruppe, nur die asphaltierten Hauptstopps. So gibt es eine Westrunde mit Fanal und Skywalk für 36,48 € bei 7 Stunden, eine Wasserfall-Tour im Westen für 34,45 €, eine Tagestour in den Lorbeerwald für 32 € – alle vierstellig bewertet, 4,6 bis 4,8 Sterne. Keine schlechten Touren, aber andere.

Oben zahlen Sie für vier Dinge: einen Geländewagen mit sechs bis acht Plätzen, der auch auf Schotterpisten kommt; eine Gruppe, die klein genug für Fragen ist; Abholung am Hotel statt Sammelpunkt; je nach Anbieter ein Mittagessen. Prüfen Sie beim Buchen, welche der vier im Preis stecken – das unterscheidet zwei Angebote stärker als der Preis. Beim Mindestalter setzen die Anbieter unterschiedliche Grenzen; das steht auf der Buchungsseite.

Die Stopps, ehrlich betrachtet

Cabo Girão, westlich von Funchal an der Südküste bei Câmara de Lobos: Die Wand fällt rund 580 Meter fast senkrecht ins Meer, über die Kante hinaus hängt eine Plattform mit Glasboden. Der erste Schritt darauf kostet Überwindung, danach ist es ein sehr guter Küstenblick. Als Auftakt ideal, als Tagesziel nicht.

Porto Moniz ganz im Nordwesten ist der bekannteste Halt. Wo Lava einst ins Meer lief und erstarrte, blieb ein zerklüftetes schwarzes Felsfeld; in dessen Mulden liegen die Naturbecken, die der Atlantik bei jeder Flut neu füllt – ein bewirtschafteter Bereich mit Umkleiden, daneben rauere freie Becken. Ehrlich dazu: Der Ort liegt ungeschützt an der Nordküste, und bei Wellengang sind die Becken nicht begehbar. Packen Sie Badesachen ein, bauen Sie nicht darauf – sonst wird es eine Stunde am Wasser statt im Wasser.

Seixal an der Nordküste, östlich von Porto Moniz, ist der stillere Ort: einer der wenigen echten schwarzen Sandstrände der Insel – Madeiras Strände sind sonst fast durchweg Kiesel – dazu kleinere Becken zwischen dunklem Fels. Der Weg hinunter ist steil.

Die Küstenstrecke zwischen Seixal und São Vicente steht auf keinem Programm und bleibt vielen trotzdem am stärksten in Erinnerung: senkrechte Wände, Wasserfälle neben der Straße, der Aussichtspunkt Véu da Noiva über der Brandung. An einer Stelle der alten Küstenstraße fällt das Wasser auf den Asphalt.

Fanal ist die Hochweide am Nordwestrand des Paúl da Serra mit ihren jahrhundertealten Lorbeerbäumen: bei Nebel einer der eigentümlichsten Orte Europas, bei Sonne eine grüne Wiese mit Kühen. Warum, steht in Fanal: warum Nebel dort der bessere Fall ist.

Warum morgens niemand die Reihenfolge kennt

Der wichtigste Satz über Madeira: In Funchal und in den Bergen ist unterschiedliches Wetter. An der Uferpromenade kann die Sonne scheinen, während Fanal im Nebel liegt und die Gipfel in einer Wolke stecken – trockene Südseite, feuchte Nordseite, dazwischen ein Kamm, an dem sich die Wolken stauen. Mehr im Wetter zwischen Funchal und den Bergen.

Deshalb liegt die Reihenfolge der Stopps nicht fest, und deshalb steht auf den Buchungsseiten so oft „Route abhängig von den Bedingungen“. Der Guide entscheidet am Morgen, ob er über die Hochebene fährt oder außen herum, ob Fanal zuerst kommt oder zuletzt. Das ist keine Schlamperei, sondern der Grund, warum eine geführte Tour hier mehr wert ist als anderswo: Wer jeden Tag hier fährt, weiß, wo die Wolke hängt. Sie wissen es nicht. Wer eine feste Reihenfolge braucht, bucht eine private Tour. Einzelne Ziele brauchen ein vorab gekauftes Ticket – darum kümmert sich der Anbieter.

Für wen das nichts ist

Wer auf kurvigen Bergstraßen übel wird. Daran scheitert so ein Tag am häufigsten: Serpentinen über Stunden, ständiger Wechsel zwischen Tunnel und Tageslicht, von null auf über 1.400 Meter und zurück. Wenn Sie dazu neigen – oder Höhe schlecht vertragen –, klären Sie das vorab in der Apotheke oder beim Arzt und fragen beim Buchen nach einem Platz vorn.

Wer wandern will. Hier wird ausgestiegen, fotografiert, wieder eingestiegen; die längsten Fußwege sind ein paar hundert Meter. Wer laufen möchte, ist bei den Levada-Wanderungen richtig.

Wer einen ruhigen Tag sucht. Acht Stunden mit Abholung und Rückfahrt sind kein Erholungstag – nach der Anreise oder vor einem frühen Rückflug falsch.

Selbst fahren oder fahren lassen?

Mit dem Mietwagen bleiben Sie flexibel: in Fanal warten, bis der Nebel richtig steht, in Porto Moniz länger bleiben, wenn das Wasser ruhig ist. Ein echter Vorteil – die Tour ist nicht die einzig sinnvolle Lösung. Dagegen stehen schmale Bergstraßen mit Steigungen, die man aus Mitteleuropa nicht kennt, Parkplatzsuche an den Stopps, und morgens raten Sie, wo die Wolke hängt.

Faustregel: Beim ersten Inselbesuch fahren Sie den Westen geführt und nehmen den Mietwagen für die kürzeren Ziele. Wer länger bleibt, macht beides.

Zum Weiterschauen: Jeep- und 4x4-Touren ab 33 € · Private Touren ab 40 € · Sehenswürdigkeiten auf Madeira

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