Funchal: was sich in der Stadt lohnt – und was nicht
Aktualisiert 2. September 2026 · 7 Min. Lesezeit
Funchal ist keine Stadt, durch die man schlendert, sondern eine, die man hinauf- und hinuntergeht. Sie liegt in einem Talkessel, der wie ein Amphitheater zum Meer hin offen ist: unten der Hafen, oben – noch innerhalb der Stadtgrenze – Wohnviertel auf mehreren hundert Metern Höhe. Wer das auf dem Stadtplan nicht sieht, plant den ersten Tag falsch.
Und noch etwas gehört an den Anfang, weil es die halbe Reiseplanung entscheidet: Auf Madeira herrscht an der Küste anderes Wetter als in den Bergen. An der Uferpromenade kann die Sonne stehen, während die Gipfel in einer Wolke stecken. Ein grauer Tag in den Bergen ist deshalb ein guter Tag für die Stadt – und ein strahlender Morgen über dem Gebirge ist zu schade für den Markt. Warum das so ist, steht im Beitrag zum Wetter in Funchal und in den Bergen. Madeira ist ein Bergziel, kein Badeziel; Funchal ist die Basis dafür – und für sich genommen zwei bis drei gute Tage wert.
Erst die Steigung, dann die Liste
Eine Faustregel, die auf dem Stadtplan fehlt: Parallel zum Meer ist es flach, weg vom Meer geht es bergauf. Von der Marina zur Zona Velha ist es ein ebener Spaziergang von einer guten Viertelstunde; zwei Straßenzüge landeinwärts kann dieselbe Distanz eine Treppengasse mit dreißig Höhenmetern sein. Wer die flachen Ziele – Markt, Altstadt, Kathedrale, Marina, Promenade – zu Fuß verbindet und für Monte die Seilbahn nimmt, hat einen angenehmen Tag; wer beides mischt, ist am Nachmittag müde. Feste Schuhe mit Profil sind hier keine Übertreibung: Viele Gehwege bestehen aus poliertem Basaltpflaster, und das wird bei Nässe glatt.
Mercado dos Lavradores
Die Markthalle von 1940, entworfen von Edmundo Tavares, würde man auch dann ansehen, wenn nichts darin verkauft würde: offener Innenhof, umlaufende Galerien, große Azulejo-Tafeln an Fassade und Eingang. Ein paar Stufen tiefer liegt die Fischhalle, in der der schwarze Degenfisch – espada, das Gesicht ist gewöhnungsbedürftig – auf Marmorbänken zerlegt wird. Das ist der sehenswerteste Teil, und er ist vormittags am lebendigsten.
Realistisch braucht man 30 bis 45 Minuten. Freitagvormittag ist am lebhaftesten, weil dann die Erzeuger aus den Dörfern kommen – und aus demselben Grund am vollsten. Sonn- und feiertags bleibt die Halle zu; die genauen Zeiten stehen auf der Seite des Marktes.
Ein ehrlicher Hinweis: An den Obstständen im Obergeschoss gibt es ein wiederkehrendes Muster – man wird zum Probieren eingeladen, es folgt eine gefüllte Tüte, und der Preis kommt erst an der Waage. Nicht jeder Stand macht das, aber oft genug, dass es in Bewertungen zum Dauerthema wurde. Die Gegenmaßnahme: vor dem Wiegen nach Kilopreis und Gesamtbetrag fragen. Als Sehenswürdigkeit bleibt der Markt gut; zum Obstkauf ist der Supermarkt der ruhigere Ort.
Zona Velha und die bemalten Türen
Östlich des Marktes liegt die Altstadt. Ihr bekanntestes Merkmal ist jünger, als die meisten annehmen: Das Projekt Arte de Portas Abertas begann 2010, seit 2011 arbeiten sich Künstler durch die Rua de Santa Maria, inzwischen sind es rund zweihundert bemalte Türen. Vorgaben zu Motiv oder Stil gab es nicht – naive Malerei neben Fotografie, Tür an Tür.
Zwei Zeitfenster, zwei verschiedene Straßen. Am frühen Vormittag sieht man die Türen: geschlossen, ohne Tische davor, ohne Menschen im Bild. Am Abend sieht man das Viertel – die Restaurants stellen bis in die Gassenmitte, es wird eng und laut. Wer fotografieren will, kommt früh; wer essen gehen will, spät. Alles liegt auf Meereshöhe und ist flach; am östlichen Ende steht die Seefestung São Tiago aus dem 16. Jahrhundert.
Die Kathedrale Sé
Von außen unauffällig, innen der Grund, überhaupt hineinzugehen: die Holzdecke aus dem frühen 16. Jahrhundert, aus einheimischem Zedernholz, in mudéjarer Knotenornamentik, teils mit Einlegearbeiten. Gebaut ab 1493, geweiht 1517 – Funchal war damals Bischofssitz für ein Gebiet, das von Brasilien bis Ostasien reichte.
Zeitbedarf: eine Viertelstunde, in der man den Kopf im Nacken hat. Die Kirche liegt zentral zwischen Avenida Arriaga und Markt, man kommt ohnehin vorbei. Während der Messen ist sie kein Besichtigungsort, sondern eine Kirche.
Die Seilbahn nach Monte
Die Talstation liegt am östlichen Ende der Uferpromenade, im Parque Almirante Reis am Rand der Altstadt. Von dort geht es gut drei Kilometer und rund 560 Höhenmeter hinauf nach Monte, in etwa fünfzehn Minuten; feste Abfahrtszeiten gibt es nicht. Der Weg über Dächer, Täler und Terrassengärten ist der eigentliche Grund für die Fahrt – die Aussicht ist besser als aus jedem Bus. Voll wird es am späten Vormittag, besonders wenn Kreuzfahrtschiffe im Hafen liegen; früh oder am Nachmittag ist es ruhiger.
Zu Fuß hinaufzugehen ist möglich und wird trotzdem selten empfohlen: über fünfhundert Höhenmeter auf Asphalt. Hinunter dauert es gut eine Stunde und geht auf die Knie. Linienbusse fahren ebenfalls hinauf – die günstige Variante ohne Aussicht. Preise nennen wir bewusst nicht, sie ändern sich; sie stehen beim Betreiber.
Oben in Monte: Kirche und Tropischer Garten
Von der Bergstation sind es wenige Minuten zur Kirche Nossa Senhora do Monte mit ihrer breiten Freitreppe. In einer Seitenkapelle liegt der letzte österreichische Kaiser, Karl I., der 1922 im Exil auf Madeira starb – dass ausgerechnet hier ein Habsburger begraben ist, überrascht die meisten.
Gegenüber der Bergstation beginnt der Jardim Tropical Monte Palace, mit rund 70.000 Quadratmetern der Hauptgrund, überhaupt hinaufzufahren: japanische Teiche, madeirensische Lorbeerwaldpflanzen, Azulejo-Tafeln und eine Mineralien- und Kunstsammlung nebeneinander – eher ein begehbares Kuriositätenkabinett als ein botanischer Lehrpfad, und genau deshalb funktioniert es auch bei bedecktem Himmel.
Zwei bis drei Stunden sind realistisch, weniger lohnt nicht. Wichtigster Planungshinweis: Der Garten fällt ins Tal ab. Man geht zuerst hinunter und muss am Ende alles wieder hinauf, über viele Treppen – beim Hineingehen ist das nicht zu sehen. Von Monte führt außerdem eine zweite Seilbahn zum Botanischen Garten; wer beide will, hat einen ganzen Tag verplant.
Die Korbschlitten – die ehrliche Einordnung
Zwei Männer in Weiß, mit Strohhut, schieben einen Weidenkorb auf Holzkufen die Straße hinunter und steuern ihn mit Seilen und Schuhsohlen. Das gibt es seit etwa 1850, damals als Transportmittel für die Bewohner von Monte. Heute ist es die bekannteste Postkarte der Insel.
Nüchtern betrachtet: Die Strecke ist rund zwei Kilometer lang und dauert ungefähr zehn Minuten. Sie endet in Livramento – nicht in der Stadt, sondern in einem Wohnviertel oberhalb davon; von dort geht es mit Bus, Taxi oder in einer knappen Stunde zu Fuß weiter hinunter. Bezahlt wird pro Schlitten, nicht pro Person, in bar vor Ort; die aktuelle Zahl nennen die Carreiros do Monte selbst. Am Ende warten Fotoverkauf und Souvenirstand.
Für wen es sich lohnt: für alle, die das Ding einmal gemacht haben wollen; für Familien, sofern man den Erwartungen vorbaut; für Reisende, die Monte ohnehin ansehen und die Abfahrt als Weg statt als Attraktion begreifen. Für wen nicht: für alle, die Nervenkitzel erwarten. Es ist kein Fahrgeschäft – das Tempo ist moderat, auf flacheren Abschnitten ziehen die Carreiros den Schlitten. Wer aufs Budget schaut, bekommt für denselben Betrag anderswo auf der Insel deutlich mehr Zeit.
Geführte Halbtagestouren verbinden Nonnental, Monte und die Schlittenfahrt – die meistgebuchte steht bei 44 € für rund vier Stunden, 4,7 Sterne bei über 2.000 Bewertungen. Mehr davon unter Erlebnisse in Funchal.
Madeirawein: die Weinkeller
Madeirawein ist der einzige Wein, dem Hitze guttut. Er reift erwärmt – im canteiro-Verfahren über Jahre unter dem Dach – und ist danach praktisch unverwüstlich: eine geöffnete Flasche hält Monate. Genau deshalb kam er im 18. Jahrhundert um die halbe Welt.
Die bekannteste Adresse sind die Adegas de São Francisco an der Avenida Arriaga, mitten im Zentrum, in den ältesten Weinkellern der Insel. Führungen gibt es in mehreren Sprachen, sie enden mit einer Verkostung; ein bis zwei Stunden einplanen. Probiert wird quer durch die Stilistik, vom trockenen Sercial bis zum süßen Malvasia – wer nur den süßen kennt, erlebt hier die Überraschung. Der beste Regentagsplan der Stadt: drinnen, zentral, flach zu erreichen.
Das CR7-Museum
An der Praça do Mar bei der Marina liegt das Museum zu Cristiano Ronaldo, der in Funchal geboren wurde. Drinnen Pokale, Trikots, Goldene Bälle; draußen die Bronzestatue, an der immer jemand fürs Foto ansteht. Ehrlich: eine halbe Stunde, für Fans vielleicht dreiviertel. Es ist eine Trophäensammlung, keine Ausstellung mit Erzählung – wer Fußball mag, geht mit gutem Gefühl hinein, wer nicht, verpasst nichts. Immerhin liegt es auf dem flachen Weg zwischen Marina und Altstadt.
Promenade, Marina, Parks und Aussicht
Was oft untergeht, weil es keinen Eintritt kostet:
- Die Uferpromenade nach Westen. Von der Marina an der Küste entlang zum Lido und weiter Richtung Praia Formosa; die Lido-Promenade allein misst rund zwei Kilometer. Flach, teils durch Tunnel – bei starkem Seegang können Abschnitte gesperrt sein. Der beste Morgenspaziergang der Stadt.
- Die Marina. Zwischen den Segelbooten liegt der Nachbau der Santa Maria de Colombo; von hier starten die meisten Bootstouren.
- Parque de Santa Catarina. Der große Stadtpark oberhalb des Hafens, mit Blick über die Bucht.
- Fortaleza do Pico. Die Festung aus dem 17. Jahrhundert über der Altstadt. Der Aufstieg ist kurz, aber steil – rechnen Sie mit einer knappen Viertelstunde bergauf. Der Rundblick über Stadt, Hafen und Berge ist der beste, den man ohne Fahrzeug erreicht.
Wenn die Berge grau sind – und wenn nicht
Die Stadt ist der Plan B, den man vorher machen sollte. Hängt die Wolke auf 800 Metern, ist der Tag für Gipfel verloren, für Markt, Kathedrale, Weinkeller und Monte Palace aber ideal – der Garten ist im diffusen Licht sogar besser. Auf dem Wasser gilt eine eigene Regel: Bootsfahrten kümmert der Bergnebel nicht, dafür der Seegang.
Der Bestand für Madeira umfasst derzeit 387 Angebote ab 10 € mit zusammen über 129.000 Bewertungen. Was davon von Funchal aus in wenigen Stunden zu machen ist:
- Erlebnisse in Funchal – 61 Angebote ab 10 €, Median 50 €; darunter der meistgebuchte Altstadt-Rundgang für 16,40 € in zwei Stunden, 4,7 Sterne bei fast 3.900 Bewertungen.
- Wale und Delfine – 28 Fahrten ab 35 €, ab der Marina.
- Bootstouren – 71 Angebote ab 16,50 €.
- Sonnenaufgang und Sonnenuntergang – 35 Touren ab 19 €; die meistgebuchte Abendsegeltour steht bei 55 €.
- Jeep- und 4x4-Touren – 73 Touren ab 33 €.
- Private Touren – 20 Angebote ab 40 €.
- Levada-Wanderungen – 153 Touren ab 16,50 €; im Wald bleibt es auch bei tiefen Wolken schön.
Und was außerhalb liegt
Pico do Areeiro, Cabo Girão, Porto Moniz, Fanal, Ponta de São Lourenço und die Levadas gehören nicht in diesen Artikel, weil sie nicht in der Stadt liegen – sie stehen gesammelt unter Sehenswürdigkeiten auf Madeira. Drei davon haben wir einzeln beschrieben, weil sie am häufigsten falsch geplant werden: welche Levada als erste, die Wanderung zu den 25 Fontes und ins Rabaçal und der Nebelwald von Fanal, der ausgerechnet bei grauem Wetter am besten ist.
Das Fazit
Zwei volle Tage reichen für Funchal, wenn man sie richtig legt: einen flachen Tag am Meer mit Markt, Altstadt, Kathedrale, Weinkeller und Promenade – und einen Tag Monte mit Seilbahn und Garten. Die Korbschlitten passen in den zweiten, wenn man sie will. Alles darüber hinaus ist Insel, nicht Stadt.