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Vom Pico do Areeiro zum Pico Ruivo: der härteste Wandertag der Insel

Aktualisiert 9. September 2026 · 6 Min. Lesezeit

Zwei Wanderer auf einem schmalen Felspfad hoch über einem geschlossenen Wolkenmeer, ringsum kahle Basaltgrate

Der Start liegt auf 1.818 Metern, das Ziel auf 1.862 Metern. Wer nur diese beiden Zahlen sieht, hält den Weg vom Pico do Areeiro zum Pico Ruivo für einen Spaziergang über einen Kamm. Das ist der Denkfehler, mit dem dieser Tag jedes Jahr viele Menschen erwischt. Mit rund 2.808 Bewertungen ist die geführte Wanderung die meistgebuchte im Bestand – und die einzige, bei der wir dazuschreiben, wer sie besser sein lässt.

44 Meter Differenz, 700 Höhenmeter Arbeit

Der Grat ist kein Kamm, sondern eine Reihe von Einschnitten. Der Weg fällt zwischendurch auf rund 1.490 Meter ab und steigt wieder an, mehrfach. Verschiedene Quellen nennen in der Summe etwa 700 Höhenmeter im Aufstieg – und ähnlich viele im Abstieg, die Knie oft mehr beschäftigen als das Bergauf.

Das eigentliche Maß dieser Wanderung sind aber nicht die Höhenmeter, sondern die Stufen. Große Teile der Strecke sind in den Fels gehauene Treppen, dazu Metallstufen – Tausende, und sie kommen in Serien: dreißig hinunter, achtzig hinauf, gleich wieder hinunter. In der dritten Stunde geht es nicht mehr um Kraft, sondern darum, dass die Beine den Rhythmus verlieren. Die Tourismusbehörde gibt für die 6,1 Kilometer der offiziellen Strecke rund drei Stunden an; die geführten Touren im Bestand sind mit 8 Stunden ausgewiesen, inklusive Fahrt und Pausen. Beide Zahlen sind ehrlich, sie messen nur Verschiedenes.

Ausgesetztheit: keine Frage der Kondition

Hier hilft gute Fitness nicht. Mehrere Abschnitte sind schmale Bänder, in eine senkrechte Wand geschlagen; daneben fällt das Gelände weit ab. Üblicherweise sind diese Stellen mit Geländern und Hangnetzen gesichert – üblicherweise, nicht garantiert; Zustand und Umfang ändern sich nach jedem Unwetter.

Für einen schwindelfreien Menschen ist das eindrucksvoll. Für jemanden mit Höhenangst ist es ein Tag, an dem er auf halber Strecke feststeckt: Ab dem Aussichtspunkt Pedra Rija ist die Route eine Einbahnstraße, Umkehren heißt alles noch einmal in Gegenrichtung. Wenn Sie nicht sicher wissen, wie Sie auf Ausgesetztheit reagieren, ist das kein Weg zum Ausprobieren.

Fünf Tunnel, und eine Stirnlampe gehört dazu

Fünf in den Fels getriebene Tunnel gehören zur Strecke, roh belassen und unbeleuchtet. Der längste misst rund 150 Meter – lang genug, dass in der Mitte wirklich nichts mehr zu sehen ist, und der Boden ist nass und uneben.

Eine Stirnlampe ist deshalb kein Extra, sondern Voraussetzung. Das Handy taugt schlecht: Man braucht in den Tunneln und auf den Treppen davor beide Hände, und wer das Licht in der Faust hält, leuchtet immer dorthin, wo man gerade nicht hinschaut.

Zwei Wegvarianten – und Sie entscheiden nicht

Die Route kennt zwei Möglichkeiten: die direkte westliche Variante durch die Tunnel und über die steile Treppe, die den Pico das Torres (1.851 m) umgeht, und eine längere östliche Umgehung um dessen Flanke – rund anderthalb Kilometer und einiges an Anstrengung mehr.

Welche davon an einem bestimmten Tag begehbar ist, entscheidet nicht der Wanderer. Einzelne Abschnitte werden nach Steinschlag oder Starkregen gesperrt und später wieder geöffnet; was in einem Reisebericht vom Vorjahr steht, kann heute überholt sein. Für manche ausgewiesenen Wanderwege braucht es zudem ein vorab gekauftes Zeitfenster-Ticket. Bei einer geführten Tour kümmert sich der Anbieter darum – den aktuellen Stand nennt immer die jeweilige Buchungsseite.

Warum geführt hier mehr wert ist als sonst

Erstens ist das eine Strecke, kein Rundweg. Wer mit dem Mietwagen zum Pico do Areeiro fährt, steht am Ende an der Achada do Teixeira – auf der Straße eine weite Umrundung des Bergmassivs zurück zum eigenen Auto, ohne Linienbus dazwischen. Bleiben Taxi oder Rückmarsch. Eine Tour löst das mit dem Transfer; das ist hier der eigentliche Gegenwert.

Zweitens die Wetterentscheidung am Morgen. In Funchal und in den Bergen herrscht unterschiedliches Wetter. An der Uferpromenade kann die Sonne scheinen, während die Gipfel in Wolken stecken und über dem Grat Wind steht. Ein Guide sieht das früh und entscheidet, welche Route tatsächlich geht – oder ob er den Tag umbaut. Warum die Insel sich so verhält, steht in unserem Beitrag zum Wetter in Funchal und in den Bergen.

Kalt, auch wenn unten Sommer ist

Auf 1.800 Metern ist es eine andere Jahreszeit als am Hafen. Dazu der Wind, der auf dem Grat kaum irgendwo gebrochen wird. Mehrere Schichten, winddichte Jacke, Mütze und Handschuhe sind auch im Juli sinnvoll – ebenso feste, profilierte Schuhe, weil die Stufen bei Nässe rutschen. Über der Wolkendecke ist die Strahlung kräftig, auch wenn es kühl ist.

Für wen dieser Tag nichts ist

Ohne Umschweife: Wer unter Höhenangst leidet, gehört nicht auf diesen Grat – das ist keine Frage von Mut oder Training. Wer Knieprobleme hat, wird die Abstiegstreppen als Gegenteil eines Urlaubstags erleben. Kleine Kinder sind hier fehl am Platz; verbindliche Mindestalter nennen wir bewusst nicht – die Anbieter setzen unterschiedliche Grenzen, und was gilt, steht auf der jeweiligen Buchungsseite. Und wer eine gemütliche Wanderung mit Aussicht sucht, hat die falsche Tour erwischt.

Wie Ihr Körper auf Höhe, Kälte und Stunden voller Treppen reagiert, können nur Sie einschätzen – im Zweifel Ihr Arzt, nicht ein Reiseblog.

Die ehrliche Alternative

Wenn es Ihnen um den Blick geht und nicht um den Weg: Fahren Sie zum Aussichtspunkt am Pico do Areeiro und gehen Sie die ersten Minuten auf befestigtem Weg. Das Wolkenmeer, die Basaltzacken, die Weite – das alles sehen Sie dort, ohne Tunnel und ohne Treppen. Dafür braucht es keine Wandertour; mehr dazu in Pico do Areeiro mit Kindern.

Und wer wandern will, aber nicht so: 25 Fontes und Rabaçal ist der schönere Wassertag, und unsere Übersicht welche Levada für Anfänger sortiert die einfachen Strecken nach Aufwand.

Zum Weiterschauen

Levada-Wanderungen – 153 Angebote ab 16,50 €, Median 58,50 €, 56.268 Bewertungen. Hier liegt die Wanderung vom Pico Areeiro zum Pico Ruivo für 48 € (4,5 Sterne, 8 Stunden).

Canyoning und Abenteuer – 66 Angebote ab 19 €, Median 65,30 €. Sportlich, aber nicht auf einem Grat.

Private Touren – 20 Angebote ab 40 €, Median 197,50 €. Eigenes Tempo, Abbruch ohne Diskussion.

Wer den Gipfel lieber als Stopp einer Rundfahrt mitnimmt: Die Ost-Tour über Pico Arieiro, Santana und Lorbeerwald kostet 36,48 € bei 7 Stunden – ganz ohne Treppen.

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